Text Ein Fenster blinzelt lustlosEin Gummibaum spricht Mord
Ein Fenster blinzelt lustlosEin Gummibaum spricht "Mord!"
Man könnte Lisa Sinan eine fahrende Künstlerin nennen. Ihre Werke bestehen aus unterschiedlichen Materialien, Stoffen, Farben und Dingen, die sie in ihrem Auto transportiert und erst vor Ort zu großen Installationen verbindet. Dieses methodische Vorgehen gleicht einem ungeplanten Umzug in ein Museumszimmer, in dem Sinan site specific wieder und wieder auf die Architekturen reagieren muss – ohne das Atelier als sichere Probebühne.
Ihre Arbeiten zeichnet ein sicheres Empfinden für Farben und Form aus. Mit genauer Beobachtungsgabe spielt sie in vermeintlicher Simplizität mit den Grenzen bildhauerischer Fiktion. Durch additive Verfahren wird der vorhandene Raum in Türme und Burggräben verwandelt, heimlich verdoppelt sich eine Säule, farblich wird die Ausgangsarchitektur akzentuiert und kommentiert. In anderen Werken versteckt Sinan Reales, unter der brauen Zeltplane oder hinter dem Sichtschutz des Setzkastens. In einer Installation aus 2018 folgen wir ihr auf den Balkon mit Geländer um schließlich festzustellen, dass unser Ausblick durch den weißen Leinwandstoff verhindert wird.
Neben der klugen und prägnanten Formensprache weisen ihre Arbeiten auch einen hohen persönlichen Anteil auf. Die Titel, verwendete Sounds oder kleine Details geben einen Einblick in einen ganz eigenen Humor, mit dem die Künstlerin Räume erschafft, in denen sie selbst viele Stunden lang während des Aufbaus gelebt und gearbeitet hat. Das verwendete Material stammt aus dem eigenen Fundus, bestimmte Motive wie das Geländer kehren immer wieder. Biografische Beziehungen schimmern durch diese Arbeiten und geben ihnen neben aller Experimentalität eine Zugänglichkeit ohne ins Bekenntnishafte abzurutschen: Lisa Sinans Kunst ist lebendig, aber nicht privat.
von Svenja Reiner
Ein Fenster blinzelt lustlosEin Gummibaum spricht "Mord!"
Lisa Sinan’s installation „Ein Fenster blinzelt lustlos, ein Gummibaum spricht Mord!“ (“A window twinkles listless, a gumtree says murder!“) was created in the Weserburg museum itself. The installation interacts with the museum’s architecture and addresses the difficult situation that exhibitions and their makers find themselves in during the pandemic.The title of her work relates to an abstract of the song „Guten Tag mein Zuhause“ (“Hello home“) by Hildegard Knef. In this song, Knef sings about her half-abandoned house. Just like in the lyrics of the song, Lisa Sinan is presenting an installation that seems to be abandoned and is just waiting to be seen.