Der glückliche Kreativarbeiter

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Sat, 09/21/2019 - 11:02
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Sun, 10/20/2019 - 15:03
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10.26017/tda-331
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The (Un)productive Adult

Text In der kapitalistischen Gesellschaft ist die Arbeit die Ursache des geistigen Verkommens und krperlicher Verunstaltung Paul Lafargue franzsischer Sozialist Schwiegersohn von Karl Marx

Leon Lothschuetz
Submitted by leonlothschuetz on Sat, 10/19/2019 - 17:15

„In der kapitalistischen Gesellschaft ist die Arbeit die Ursache des geistigen Verkommens und körperlicher Verunstaltung.” –Paul Lafargue, französischer Sozialist, Schwiegersohn von Karl Marx 

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Text Arbeit nervt Arbeit ist dem Individuum auferlegt sie ist ein uerer Zwang sie ist ein Mittel zum Zweck Ohne Arbeit zu sein bedeutet einerseits ohne Einkommen zu sein was entsprechende Sanktionen in Form der Demtigung im Jobcenter oder auf dem Arbeitsa

Leon Lothschuetz
Submitted by leonlothschuetz on Sat, 10/19/2019 - 17:15

Arbeit nervt. Arbeit ist dem Individuum auferlegt, sie ist ein äußerer Zwang, sie ist ein Mittel zum Zweck. Ohne Arbeit zu sein bedeutet einerseits, ohne Einkommen zu sein, was entsprechende Sanktionen in Form der Demütigung im Jobcenter oder auf dem Arbeitsamt nach sich zieht. Des Weiteren bedeutet ohne Arbeit zu sein, ohne Sinn zu leben. Ab dem Zeitpunkt, an dem ein Kind die ersten paar Worte gelernt hat, wird es von erbarmungslosen Erwachsenen mit in der Frage konfrontiert, was es denn mal werden wolle, wenn es groß sei. Zu arbeiten bedeutet, seine Zeit nicht mit den Dingen zu verbringen, die man gerne hat: mit seinen Hobbies, seiner Familie, seinen Freunden, mit nichts tun. Und in einer Anstellung zu arbeiten bedeutet, einem Vorgesetzten zu unterstehen, der mehr verdient als man selbst. Als Entlohnung (nicht aber als Belohnung) für die erbrachte Arbeitsleistung bekommt der Arbeiter am Monatsende ein Gehalt überwiesen, von dem er seine Miete, sein Essen und hoffentlich ein paar starke Drinks bezahlt. Im besten Fall erkennt der Angestellte einen Sinn in seiner Arbeit, die er verrichtet, im schlimmsten Fall gibt es keinen. Die Bereitschaft, sich für seinem Beruf aufzuopfern, steigt equivalent mit der Identifikation mit der eigenen Arbeit. Diese Identifikation kann jedoch nur gelingen, wenn in der Arbeit ein Sinn erkannt wird, der moralisch vertreten werden kann. Ist dies nicht der Fall muss die Arbeit entsprechend monetär entlohnt werden, um ihren moralischen Minderwert auszugleichen. Unter diesen Vorraussetzungen gilt: wer mit wenig Arbeit viel verdient, macht alles richtig. In einem solchen Szenario, in dem der Leistungsdruck von außen auferlegt ist, wird die Unproduktivität eine Ausflucht aus einem sinnlosen System, führt der so gewonnene Abstand zu seiner beruflichen Tätigkeit zu einer Verschiebung der Prioritäten weg von der Arbeit, der Leistung, der Produktion, hin zum pünktlichen Feierabend, zu den Freunden, zur Faulheit. 

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Text Ist aber die Arbeit nicht blo ein Mittel zum Zweck den Lebensunterhalt zu verdienen sondern soll dabei auch persnliche Erfllung bringen kommt der Leistungsdruck dem der Arbeiter entsprechen will aus ihm selbst Nicht nur der Abteilungsleiter oder CEO

Leon Lothschuetz
Submitted by leonlothschuetz on Sat, 10/19/2019 - 17:16

Ist aber die Arbeit nicht bloß ein Mittel zum Zweck, den Lebensunterhalt zu verdienen, sondern soll dabei auch persönliche Erfüllung bringen, kommt der Leistungsdruck, dem der Arbeiter entsprechen will, aus ihm selbst. Nicht (nur) der Abteilungsleiter oder CEO der Firma legen die Produktivitätsrate fest. Vielmehr ist der Antrieb, seinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, sich selbst und anderen seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen und in der Folge von Kollegen, Kunden, Auftraggebern, Chefs etc. Anerkennung zu widerfahren. Gewisse Arbeitsfelder, vor allem jene, die nicht mit hohen Gehältern oder langfristiger Planungssicherheit assoziiert werden, ziehen Arbeiter mit diesem Antrieb an. Im Folgenden widme ich mich einem Feld, das ich „Kreativarbeit“ nenne, und mit dem ich diejenigen Bereiche beruflicher Tätigkeit meine, die sich im weitesten Sinne um Gestaltung drehen, die aber nicht vollkommen frei von äußeren Ansprüchen geschaffen wird. Im unterschied zur künstlerischen Arbeit, die aus dem Selbstzweck entsteht, Kunst zu schaffen, und erst nach der Fertigstellung dem Kontext eines Marktes zugeführt wird, bedarf die Kreativarbeit eines Auftrags. Die Entscheidung, welches „Produkt“ hergestellt wird liegt nicht beim Kreativarbeiter, die Gestaltung, Funktionalität, Anmutung etc. hingegen schon. In der Kreativarbeit trifft man häufig auf Personen, die ihren Beruf aus einem persönlichen Interesse aufgenommen haben und mit überdurchschnittlicher Ambition ausführen. Diese Kreativarbeiter beschäftigen sich auch in ihrer Freizeit mit ihrem Beruf, füllen ihren Instagram-Feed mit Design-Inhalten, lesen Fachzeitschriften oder einschlägige Internetseiten. Einem Arbeitgeber ist natürlich besonders daran gelegen, Kreativarbeiter mit solchen persönlichen Ambitionen einzustellen, haben diese doch schon den Anspruch, den der Arbeitgeber stellt, internalisiert und womöglich noch übersteigert, und sind deshalb bereit, bei gleichem Lohn mehr zu leisten, länger zu bleiben, an den Stellen weiter zu machen, wo der Dienst nach Vorschrift aufhört, um ein Produkt zu schaffen, das sich mit ihren eigenen Vorstellungen deckt.

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Text Whrend die erste Zeit im neuen Job von der Euphorie des Neuen begleitet wird stellt sich nach einer Weile eine gewisse Ernchterung ein Ist die Arbeit erst einmal zum Alltag geworden sind die Ablufe gelernt wird die Arbeit des Angestellten monoton und

Leon Lothschuetz
Submitted by leonlothschuetz on Sat, 10/19/2019 - 17:17

Während die erste Zeit im neuen Job von der Euphorie des Neuen begleitet wird, stellt sich nach einer Weile eine gewisse Ernüchterung ein. Ist die Arbeit erst einmal zum Alltag geworden, sind die Abläufe gelernt, wird die Arbeit des Angestellten monoton und öde. Das Arbeitsumfeld wird abgesucht nach der Möglichkeit zur Erfüllung oder Entwicklung, nach einem höheren Wert als der bloßen monetären Entlohnung. Inwiefern stimmen die Werte des Angestellten wirklich mit der Corporate Identity des Arbeitgebers überein? Wie ist der Umgang zwischen Kollegen und Vorgesetzten? Die Balance aus Firmenpolitik, Arbeitsinhalt, persönlichem Umgang und gestalterischer Unabhängigkeit, die eine erfüllende Anstellung in der Kreativbranche ausmacht, kann leicht ins wanken kommen. Jeder hat ein Ego, eine eigene Meinung, eine eigene Art zu arbeiten und einen eigenen Anspruch. Dies führt automatisch zu Reibung, die im besten Fall durch Kompromisse und Kommunikation, in manchen Fällen aber gar nicht aufgelöst werden kann. Der Selbstverwirklichung im Weg stehen beispielsweise – gerade in großen Firmen – ein Apparat an Entscheidungsträgern aus verschiedenen Abteilungen, die jeweils einen Anspruch an das Produkt stellen, ohne dabei über ihre Kompetenz hinaus zu denken und das große Ganze im Blick zu haben. So wird der Kreativangestellte, zusätzlich zu seiner gestalterischen Arbeit, zu einem Vermittler zwischen verschiedenen Abteilungen. Da Mediation aber selten Teil einer gestalterischen Ausbildung ist, verliert der Angestellte hierbei womöglich den Überblick und verzweifelt. Werden dann Entscheidungen, die den Angestellten und seine Arbeit betreffen, ohne Rücksprache oder Berücksichtigung von Einwänden getroffen, stellt sich ein Gefühl der Ohnmacht ein, das einhergeht mit einem Zweifel an der Wertschätzung der eigenen Arbeit. In diesen Momenten der Verzweiflung hinterfragt der Angestellte das Potenzial der Arbeit zur Selbsterfüllung und kommt zu dem Schluss, dass der Mehraufwand, den er aus seinem eigenen Anspruch heraus erbringt, nicht wertgeschätzt wird und stellt diesen ein. Er macht keine Überstunden mehr, bringt sich weniger in Diskussionen ein, resigniert. Nun gilt also wieder das Motto: Möglichst wenig Arbeit für möglichst viel Geld.

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Text Ist der Kreativarbeiter einer solchen Situation ausgesetzt wird fr ihn auch die kreativste Aufgabe zur absoluten Zumutung Denn er sieht nicht mehr die Arbeit an sich die ihm ja eigentlich Freude und Erfllung bereitet sondern ist sich zu jeder Zeit be

Leon Lothschuetz
Submitted by leonlothschuetz on Sat, 10/19/2019 - 17:19

Ist der Kreativarbeiter einer solchen Situation ausgesetzt, wird für ihn auch die kreativste Aufgabe zur absoluten Zumutung. Denn er sieht nicht mehr die Arbeit an sich, die ihm ja eigentlich Freude und Erfüllung bereitet, sondern ist sich zu jeder Zeit bewusst, dass er nicht der Entscheidungsträger ist, dass also seine Arbeit immer bloß ein Vorschlag für seinen Vorgesetzten bleibt. Der kreative Angestellte sieht sich vor die Wahl gestellt. Entweder verändert er sich selbst, seine Ansprüche an die Arbeit und seine Gewohnheit, macht sein Hobby wieder zum Hobby und betrachtet sein Angestellten-Verhältnis als die pure Arbeit. Oder er verlässt die Sicherheit der Anstellung, um die eigene gestalterische Unabhängigkeit zu suchen. Als Freiberufler ist der Kreativarbeiter selbstbestimmt, er kann jeden Auftrag, der ihm Angeboten wird, selbst zu- oder absagen. Damit einher geht aber auch – neben der Tatsache, dass der Verdienst ausbleibt, wenn die Aufträge ausbleiben – ein großer Mehraufwand. Von Buchhaltung über Produktionsabwicklung bis hin zu Kunden, die womöglich genauso anspruchsvoll und gestaltungswillig sind wie der Vorgesetzte in der Firma, ist der Freiberufler nun konfrontiert mit ungewohnten Aufgabenfeldern. Möglicherweise, sogar wahrscheinlicherweise, kommt der Freiberufler in die Verlegenheit, Aufträge anzunehmen, die nicht seinen moralischen oder gestalterischen Vorstellungen entsprechen. Und doch liegt in der Freiheit der Entscheidung, in der Freiheit zur Gestaltung des Produktionsablaufs, in der Freiheit zur Einteilung der Arbeitszeit das Potenzial, die Leidenschaft am Beruf, die im Angestelltenverhältnis so leicht verloren geht, wiederzufinden. In freien Projekten sind meist deutlich weniger Menschen an Entscheidungen die Gestaltung betreffend involviert. Kommt es im Unternehmen vor, dass zwischen den unterschiedlichen Hierarchie-Ebenen Kompromisse gefunden werden, die letztendlich bloß auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner basieren und somit immer weniger Bedarf für Gestaltung haben, stehen beim Freelancer die Chancen höher, dass die Kommunikation mit dem Auftraggeber auf Augenhöhe abläuft – schließlich wurde der Kreativarbeiter ja anhand seines Portfolios, also seines bisherigen Schaffens, mit der Aufgabe betreut. Unter freiberuflichen Kreativarbeiten gilt das Paradigma des wenig Arbeitens für viel Geld nicht. Hier ist beschäftigt sein der Beweis dafür, dass man gefragt ist. Da im Freelancertum häufig die Formel „weniger Bezahlung = größerer kreativer Freiraum“ angewendet wird, bedeutet sogar viel Arbeit für wenig Geld, dass es insofern besonders gut läuft, als dass der Kreativarbeiter tatsächlich eher für seine eigene Kreativität gebucht wird, und weniger als Umsetzer von fremden Ideen fungiert. Da der Freelancer stets die Wahl hat, wie viel seiner Aufmerksamkeit er welchem Projekt zukommen lässt, kennt er aber auch hinter jedem Arbeitsschritt den Sinn. Gibt es eine besonders komplizierte Faltung vor, von Hand selbst vorgenommen zu werden, um Budget frei zu halten, wird dieses Falzen von Hand nicht als unangenehm monoton sondern als meditativ und beruhigend wahrgenommen. Zumal der Freelancer diesen Extra-Aufwand nur für solche Projekte betreibt, die er für moralisch richtig und unterstützenswert hält.  

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Text Arbeit macht nicht immer Spa deswegen nennen wir sie Arbeit und nicht Spa Wenn die Arbeit aber zu einer unertrgliche Last wird es jedoch aus finanziellen oder ideellen Grnden auer Frage steht sie nicht zu tun so sollte der Arbeiter versuchen sich den

Leon Lothschuetz
Submitted by leonlothschuetz on Sat, 10/19/2019 - 17:20

Arbeit macht nicht immer Spaß, deswegen nennen wir sie Arbeit und nicht Spaß. Wenn die Arbeit aber zu einer unerträgliche Last wird, es jedoch aus finanziellen oder ideellen Gründen außer Frage steht, sie nicht zu tun, so sollte der Arbeiter versuchen, sich den größtmöglichen individuellen Freiraum zu schaffen. Besonders in der Kreativarbeit, in der Identifikation mit seinem Schaffen häufig die schlechte Bezahlung kompensieren muss, kann es hilfreich sein, sich von der Arbeit zu distanzieren und aus einer anderen Perspektive auf die Probleme des Arbeitsalltags zu blicken. Denn gerade mit etwas Abstand erscheinen diese Probleme oft albern oder kleinlich. Nimmt der Angestellte seine Arbeit vielleicht nicht mehr zu ernst, macht pünktlich Feierabend und schafft sich so die Zeit für die schöneren Dinge im Leben, löst sich womöglich die Umklammerung des Leistungsdrucks. Der Ohnmacht gegenüber dem Konzern kann der Angestellte immer zumindest seine Freiheit zu kündigen entgegenstellen. Die maximale Freiheit des Individuums liegt wahrscheinlich in der Situation vor, wo Schaffen und Existenzerhalt voneinander losgelöst sind, wo zum Beispiel ein persönliches Vermögen oder ein bedingungsloses Grundeinkommen die Notwendigkeit des mit-Arbeit-Geld-Verdienens aufhebt. Solange aber eine Gesellschaft nicht bereit ist, denn Sinn des Individuums in etwas anderem als Leistung zu sehen, solange Arbeit ein notwendiges Übel zum Selbsterhalt bedeutet, ist es ratsam, die Arbeit als Mittel zum Zweck zu betrachten, sich den Rest seiner Zeit schön zu gestalten. Oder aber die eigene Arbeit so präzise wie Möglich mit den eigenen Überzeugungen in Einklang zu bringen.

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